Der erste Teil der Bilanz, mit dem wir uns hier beschäftigen werden, sind die Aktiva (auch Aktivseite genannt). In den Aktiva wird über die Mittelverwendung Auskunft gegeben und sie steht in starker Verbindung zu den Passiva, welche die Mittelherkunft beschreibt.

Dieser Beitrag ist Teil der Artikelserie Einstieg Bilanzanalyse. In dieser Serie erkläre ich Schritt für Schritt, wie man eine Bilanz liest.

Aktiva und Passiva stellen zusammen die Basis für die Bilanzanalyse dar, weil hier Auskunft über die vorhandenen Gelder erteilt wird. Diese beiden Aufstellungen sind daher auch eng miteinander verbunden und bilden gewissermaßen eine Einheit. So geben die Passiva Auskunft über die Herkunft aller finanzieller Mittel. Die Aktiva wiederum über deren Verwendung und somit muss jeder Punkt der Aktiva durch einen in den Passiva gedeckt sein. Hat man diese beiden Tabellen vor sich liegen, kann man daher genau sehen wie ein Unternehmen aktuell aufgestellt ist, d.h. wie und was finanziert wurde.

Die grobe Struktur der Aktiva

Wie die Bilanz genau aufgebaut sein muss, ist gesetzlich vorgeschrieben. Dies kann sich aber von Land zu Land leicht unterscheiden. In Deutschland ist der Aufbau der Aktiva und Passiva in § 266 des HGB geregelt. Hierbei unterteilen sich die Aktiva in mehrere Unterkategorien, wobei wir uns hier auf die drei für uns wichtigen A-C konzentrieren wollen. Diese sind:

A. Anlagevermögen: In diesem Abschnitt wird das Vermögen aufgeführt, welche mittel- und langfristig gebunden sind und dem Unternehmen zur Produktion dient. Hierunter fallen Immobilien und Maschinen, aber auch immaterielle Vermögensgegenstände, wie Patente und Lizenzen. Dieser Teil der Bilanz soll den produzierenden Teil des Unternehmens darstellen, der fest zu dem Unternehmen gehört.

B. Umlaufvermögen: Dies sind die kurzfristig verfügbaren Vermögensgegenstände, wie beispielsweise Rohstoffe und Waren aber auch Bargeld. Diese zirkulieren mit einer viel höheren Geschwindigkeit. Dieser Teil beschreibt eher die Mittel, die das Unternehmen zu der Produktion benötigt und in das Produkt einfließen.

C. Rechnungsabgrenzungsposten: Hierunter fallen Buchungen, die in der aktuellen Periode aufgetreten sind, aber eigentlich erst einen späteren Zeitpunkt betreffen, wie schon gezahlte Mieten. Diese belasten daher schon dieses Mal die Bilanz und müssen daher schon aufgeführt werden, auch wenn sie eigentlich erst die Zukunft betreffen. Um dies von den anderen Punkten sauber zu trennen, gibt es diesen zusätzlichen Punkt.

Neben diesen Punkten gibt es noch zwei weitere Punkte D und E, die jedoch für die Analyse ziemlich zu vernachlässigen sind und auf die ich hier daher nicht weiter eingehen möchte. Wie man sieht wird auf der Aktivseite streng zwischen kurzfristigen und langfristigen Vermögensgegenständen unterschieden. Dieser Trennung werden wir auch wieder auf der Passivseite begegnen.

Die Aktiva im Detail

Natürlich sagt diese grobe Struktur nur relativ wenig über ein Unternehmen aus und man muss sich schon in die genauere Aufstellung anschauen, um wirklich etwas über das Unternehmen zu erfahren. Die Untergliederung sieht wie folgt aus:

A. Anlagevermögen:

I. Immaterielle Vermögensgegenstände: Hierunter fallen nicht-physische Vermögensgegenstände, wie Konzessionen, Patente oder Lizenzen. Unter diesen befindet sich auch der oftmals sehr wichtige Posten der Geschäfts- oder Firmenwert, auch Goodwill genannt. Dieser Entsteht bei Übernahmen von anderen Unternehmen, wenn beim Kauf mehr als der Buchwert des Unternehmens gezahlt wurde und stellt die Differenz dieser beiden Werte dar. Er kann in der Zukunft zu Abschreibungen führen.

II. Sachanlagen: Ziemlich selbsterklärend. Hierunter fallen natürlich die Maschinen, Immobilien und Gebäude. Wichtig ist, dass diese nicht schon existieren müssen, so werden hier auch geleistete Anzahlungen für sich im Bau befindliche Sachanlagen aufgeführt. Dieser Punkt ist in der Regel der größte Posten des Anlagevermögens.

III. Finanzanlagen: Dieser Punkt beinhaltet längerfristige Investitionen, wie Aktien Anleihen und Firmenanteile, die von dem Unternehmen gehalten werden.

B. Umlaufvermögen:

I. Vorräte: Unter Vorräte fallen die zu der Herstellung der Produkte benötigten Rohstoffe und Ressourcen, welche in dem Unternehmen auf Lager liegen bzw. angezahlt wurden. Des weiteren werden hier auch die schon fertiggestellten, aber noch nicht verkauften Produkte geführt.

II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände: Unter diesem Punkt werden alle möglichen Forderungen geführt, welche das Unternehmen Anderen gegenüber hat. Je nachdem, wie lange diese noch laufen bzw. wie viele davon überfällig sind, kann es hier auch zu Abschreibungen kommen.

III. Wertpapiere: Dieser Posten unterscheidet sich von A.III durch die Dauer der gehaltenen Papiere, wobei hier nur die kurzfristig gehaltenen aufgeführt werden.

IV. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks: Kurzfristiges Geld, welches das Unternehmen zu Verfügung hat.

Hierzu sind einige Punkte anzumerken. Vergleicht man diese Gliederung einmal mit der in § 266 angegebenen, so fällt auf, dass ich hier die weiteren Unterpunkte unter den Unterpunkten weggelassen habe. Ich habe mich hier auf die Oberpunkte beschränkt, da das sonst zu sehr in die Details geht und ich denke mal jeder mit dieser Anleitung die weiteren Unterpunkte auch versteht, wenn er sie sieht. Es fällt auf, dass der Punkt C keine weitere Unterteilung besitzt, da unter diesem Punkt gelistete Fälle eher die Ausnahme darstellen.

Anmerkungen zu den Aktiva

Natürlich ist es prinzipiell einmal wichtig, sich mit der Aufstellung des Unternehmens zu beschäftigen und dazu gehört auch einmal ein Blick in die Aktiva. Aber worauf sollte man hierbei achten? Natürlich lässt sich dies nur grob pauschal beurteilen, da jedes Unternehmen anders ist, daher möchte ich hier nur einmal ein paar Punkte aufzählen.

Zum einen sollte ein Unternehmen immer einen Großteil seiner Mittel des Anlagevermögens in den Sachanlagen stecken haben, wenn es langfristig etwas produzieren möchte. Durch zu viel Wertpapiere aufgeblasene Bilanzen sollten einen erst einmal skeptisch stimmen. Denn ein Unternehmen sollte primär Produkte herstellen und nicht Investmentfond spielen.

Ein weiterer Punkt wäre ein zu hoher Goodwill, da dieser eine mögliche Abschreibungsursache sein kann. Auch sich türmende Vorräte können auf die Dauer Abschreibungen nach sich ziehen, wenn diese mit der Zeit an Wert verlieren und somit die Bilanz belasten.

Es gibt also ein paar Punkte in den Aktiva, auf die man einmal einen Blick geworfen haben sollte und ich werden in weiteren Beiträgen zu dem Thema Unternehmensbewertung sicherlich noch näher hierauf eingehen. Damit wären wir auch mit den Aktiva am Ende und werden uns dann in dem nächsten Beitrag mit deren Gegenstück, den Passiva, beschäftigen.