Auf diesem Blog gehe ich ja gerne der Frage nach, welche einzelnen Anlagestrategien wirklich funktionieren und ob es für den Privatanleger sinnvoll, ist sich mit diesen zu beschäftigen. Eine weitere dieser Ideen auf, die man hin und wieder einmal stößt, ist die der Kondratieff Zyklen.

Was sind Kondratieff Zyklen?

Diese Theorie geht auf den russischen Wirtschafts­wissenschaftler Nikolai Kondratjew zurück, der vor fast 100 Jahren beobachtete, wie die Wirtschaft in längeren Zyklen von ca. 50-60 Jahren schwankte. Er machte für diese Entwicklung unterschiedliche Technologien verantwortlich, die in den bestimmten Zeiträumen die Wirtschaft dominierten.

So soll es durch diese neuen Technologien erst zu einem längeren Boom kommen, der dann in der zweiten Hälfte des Zyklus sich wieder verlangsamt, bis dieser Abschwung durch eine neue Welle unterbrochen wird.

Im Laufe der Zeit wurden dann auch noch weitere Kondratieff Zyklen identifiziert. Bis heute hat man insgesamt 5 Zyklen beobachtet und diesen die folgenden Technologien zugeschrieben:

Periode (ca. 1780–1849): Frühmechanisierung, Dampfmaschinen

Periode (ca. 1840–1890): Eisenbahn, Dampfschiffe.

Periode (ca. 1890–1940): Elektrotechnik- und Schwermaschinen, Chemie

Periode (ca. 1940–1990): Kernenergie, Transistor, Computer und das Automobil

Periode (ab 1990): Informations- und Kommunikations-Technik

Einige Anleger versuchen jetzt anhand dieser Theorie ihr Geld anzulegen und daher möglichst den nächsten Zyklus vorher zu sagen.

Was ist dran an den Kondratieff Zyklen?

Hierzu muss man sagen, dass die wissenschaftliche Basis für diese Theorie mehr als dünn ist und es sich daher, im professionellen Bereich, auch so gut wie keine ernsthaften Anhänger dieser Theorie finden lassen. Sie findet eher unter Anfängern Verbreitung, die davon ausgehen mit dieser Theorie aussagen über die Wirtschaftsentwicklungen treffen zu können.

Das grundlegende Problem dieser Theorie ist, dass sich die echte Entwicklung von Technologien eben nicht in solchen Zyklen beschreiben lässt. Dies sieht man am besten anhand einiger Beispiele.

So ist verlief beispielsweise die Entwicklung des Automobils seit 100 Jahren ganz anders. Die ernsthafte kommerzielle Produktion von Autos hat so gegen 1900 angefangen und dann um 1913 durch die Einführung der Fließbandproduktion an Fahrt aufgenommen.

Diese Entwicklung hat dann aber im Laufe der Zeit nicht nachgelassen, sondern lief immer weiter. Selbst heutzutage feiern die Automobilkonzerne in den letzten Jahren immer weitere Absatzrekorde, die auch stark durch die Emerging markets getrieben werden. Heutzutage profitieren daher so viele Menschen wie noch nie von dieser Technologie und somit ist der wirtschaftlicher Einfluss auch aktuell am größten und noch stetig am ansteigen.

Ein weiteres Beispiel ist die CPU oder auch der Computer. Hier läuft die Entwicklung sehr schön nach Gesetz von Moore, welches eine Verdopplung der Transistordichte alle 18 Jahre beschreibt und der damit einhergehenden höheren Leistung. Auch hier kann man nicht einfach behaupten, dass diese Technologien einen Zeitpunkt mit maximaler Wirkungskraft hatten und danach weniger bedeutend wurden.

Aktuell ist zwar nicht mehr die Entwicklung zu höherer Rechenzeit die wichtigste Entwicklung, sondern eher die Reduzierung des Stromverbrauchs und die Miniaturisierung zu immer kleineren Computern (Smartphones), aber die dahinter stehende Entwicklung ist die gleiche.

Schon anhand dieser Beiden Beispiele lässt sich sehr gut sehen, dass eine Technologie normalerweise nicht so schnell ihren Zenit überschreitet und dann weniger wichtig ist. Vielmehr werden diese stetig weiter entwickelt und gewinnen mehr und mehr an Einluß.

Wie kommt es zu diesen Zyklen?

Da es in der Wirtschaft aber definitiv Zyklen gibt, stellt sich die Frage, wo diese dann aber herkommen, wenn nicht von den Technologien. Die Antwort ist wohl eher in der Geldpolitik und Politik allgemein zu suchen, welche öfter einmal zur falschen Zeit handelt und damit die Wirtschaft in den Abschwungphasen zu stark drosselt und in den Boomphasen zu stark ankurbelt.

Daneben spielen sicherlich auch einmal die Emotionen der Anleger eine Rolle, die durch den Herdentrieb zu viele Gelder in bestimmte Bereiche lenken und es zu einer Blase kommt.

Diese Punkte haben aber nichts mit der zugrunde liegenden Technologie zu tun. Diese werden unabhängig weiterentwickelt und deren Nutzen steigt meistens langfristiger an und somit ist auch die Theorie der Kondratieff Zyklen viel zu einfach um haltbar zu sein.